28. Mai 2017 | Über 13 Jahre nicht getroffen

Kleines Familientreffen

Ja, wie ist es, wenn mir Menschen begegnen, die mich in meiner neuen Rolle als Frau nicht kennen?
Sondern mich in der Vergangenheit als sichtbaren Mann kennengelernt haben – und das auch noch so als Eindruck abgespeichert. Die vielleicht am Rande meine Wandlung vor rund fünf Jahren mitbekommen haben, aber mich live noch nicht erlebten. Spannend? Schön?

Ich habe keine Hemmungen auf diese Menschen zuzugehen. Letztlich möchten wir uns ja begegnen und uns austauschen. Oder manchmal auch nicht, dann bleibe ich bei alten “Bekannten” eben unerkannt.

Jeder Mensch kann und hat viel zu erzählen. Hat sein Päckchen zu tragen. Und ist, wenn er vom Horizont her offen und breit aufgestellt ist, auch wirklich sehr neugierig auf mich. Früher quatschte ich eher über die Technikthemen. Gadgets. Schneller, besser, teurer und was auch immer. Materialistisch. Gehabe. Bitte nie wieder, sag ich mir. Aber so leicht lässt sich das nicht ablegen, an dieser Stelle kämpfe ich noch mit meiner Sozialisierung. Männer definieren sich eben oft eher durch diese Dinge.

Facettenreiche Persönlichkeiten sind da schon rarer, aber wenn, dann unheimlich wertvoll für mich. Und da habe ich leider in den letzten Jahren einige wertvolle Menschen verloren, gerade im Berufsleben oder eben durch ihr Alter.

Heute geht es in den Gesprächen eher um meine Psyche, mein Äusseres, den steinigen Weg und meine vorhandene Beziehung. Das hat sich also komplett geändert. Viel Breiter, viel mehr Facetten, Emotionen, Gefühle. Intimes. Und das liegt auch an mir. Mich interessiert, was der andere Mensch im Inneren trägt.

Und so wurde es am vergangenen Wochenende ein schönes Familientreffen. Ich habe insgesamt noch drei Tanten,
eine davon sah ich zuletzt vor über 13 Jahren bei der Hochzeit ihrer Tochter. Beide traf ich nun wieder. Und dazu Mann und Kind. Für mich auch wieder ein schönes Beispiel, wie Menschen reifen und sich verändern. Meine Cousine, Mutter eines 11-jährigen Kindes! Dieses gesund und aufgeweckt: “Robotik möchte ich studieren”. Hut ab! Was Lego Mindstorm also so anrichtet!

Wir sprachen viel. Nicht über diese Männerthemen, die parkten eh mit ihrem Bier vorm Fernseher, weil da in Berlin irgendein Finale lief. Über unsere Herzen, wie es unseren Körpern geht. Was uns im Leben gefällt und auch was uns Probleme macht. Sie ist Lehrerin und – respekt – es ist absolut nicht einfach in der heutigen Zeit.

Ich bekam Feedback über mich. Ich wäre viel entspannter, viel ausgeglichener. Kaum wiederzuerkennen. Ich strahle regelrecht. Wohin mit all diesen Komplimenten?

Ich sagte “Ja, endlich bin ich das, was ich schon immer war. Was in mir steckte. Und ich nicht zugelassen habe.”.

So deute ich es, aber ich möchte mich ja nun nicht mehr erklären sondern nur mein Leben leben. Und das kommt gerade in die richtige Spur…